Sprachen

Unterbringung

Die Verfahrensweise bezüglich Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger in der Schweiz kann je nach Kanton stark variieren. Infolge der grossen Anzahl Flüchtlingskinder, die 2015 in unserem Land angekommen sind, wurden diverse Unterkunftsformen entwickelt, wie z.B. die Unterbringung in Pflegefamilien.

Unterbringung durch die ZIHLER Social Development GmbH im Kanton BE

Gleich nach Zuteilung in den Kanton werden die MNA dem Ankunftszentrum Huttwil zugeteilt (Kapazität für 100 MNA). Hier wird für alle neu zugewiesenen Jugendlichen eine individuelle Situationserfassung und Bedarfsabklärung durchgeführt. Vom ersten Tag an werden stabilisierende Tagesstrukturen gewährleistet. Durch die vorteilhafte Lage auf dem Areal eines Sportzentrums kann neben Bildung ein grosser Schwerpunkt auf Bewegung gesetzt werden (Sportpädagogik). Sportliche Betätigungen überwinden sprachliche Barrieren und tragen dazu beim, dass sich die neu angekommenen MNA schneller öffnen und sich integriert fühlen.

Nach spätestens sechs Monaten erfolgt ein Transfer in eine individuell passende Wohnform. Dies kann ein MNA-Wohnheim (sechs im Kanton), eine betreute oder begleitete Wohngemeinschaft, eine Pflegefamilie, eine Platzierung bei Verwandten oder eine spezielle Institution der stationären Kinder- und Jugendbetreuung sein.

Unabhängig von der Wohnform bekommt jeder MNA von der Zuteilung in den Kanton bis zum Austritt aus den MNA-Strukturen einen persönlichen Case Manager zugewiesen. Die Case Manager sorgen als konstante Bezugspersonen für eine kontinuierliche Prozessbegleitung und bedarfsgerechte Unterstützung.

Durch die Situationserfassung und Bedarfsabklärung im Ankunftszentrum und die konstante Begleitung durch die Case Manager wird der individuellen Situation der MNA grosse Beachtung geschenkt. Es können so passende Lösungen gefunden werden, die sich positiv auf ihre Zukunftsperspektiven auswirken.

Unterbringung in einer Pflegefamilie - Kanton Neuenburg

Der Kanton Neuenburg betreut rund 60 unbegleitete Minderjährige. Seit März 2016 koordiniert das Amt für Kindesschutz (AKS) ein kantonales Netzwerk von Pflegefamilien für MNA, um den Bedürfnissen dieser jungen Menschen nach einer passenden Unterkunft gerecht zu werden.

Das AKS evaluiert und platziert die Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien und betreut sie auch nach ihrer Platzierung weiter. In jedem Fall wird individuell abgeklärt, welche Wohnsituation dem Alter und der Lage des Kindes am besten entspricht. Die Wahl der Platzierungsform hängt auch von der Dauer des Aufenthaltes im Durchgangszentrum ab.

Positive Aspekte einer Platzierung in eine Pflegefamilie sind auf verschiedenen Ebenen festzustellen: die Kinder und Jugendlichen können eine emotionale Bindung aufbauen und neue kulturelle Bezugspunkte schaffen, sie stärken ihre sprachlichen Kompetenzen und können sich schneller in ihr neues soziales Umfeld integrieren.